Die Kunst des Wettbewerbs

Kolumne für NOZ vom 5. Mai 2021

Autor: Deny Sonderegger, Mitglied Gemeindeparlament Stadt Olten

Die Kunst des Wettbewerbs

Beim Schulhaus Kleinholz explodieren die Kosten bereits in der Planungsphase. Im Januar 2018 sprach der Stadtrat von 10,7 Mio. Franken. Inzwischen sind es fast 40 Mio. Franken. Eine weitere Erhöhung um bis zu 15 Prozent sei möglich, gibt der Stadtrat zu. Die langwierigen Diskussionen im Stadtparlament haben es im März 2021 deutlich gezeigt: Solche Kostenexplosionen müssen bereits mit der Ausschreibung des Projektwettbewerbs bekämpft werden.

Grund genug, den aktuell laufenden Projektwettbewerb Neubau Kunstmuseum genauer zu betrachten. Wie es scheint, ist die harsche Kritik des besagten Parlamentsabends beim Stadtrat und bei der Direktion Bau nicht angekommen. Zwar werden die vom Parlament fixierten Kosten von bis zu 14 Mio. für das Kunstmuseum und bis zu 9 Mio. Franken für die Umnutzung der Kirchgasse 8 in der Wettbewerbsausschreibung erwähnt. Doch der Stadtrat gibt diesen klaren Vorgaben keinen zwingenden Charakter für die Beurteilung der Eingaben. Sensibilität für die Voten der Mitglieder des Parlaments sowie Interesse an kostenoptimiertem Bauen? Fehlanzeige!

Unverständlich ist auch die Zusammensetzung des Preisgerichts, welches das Siegerprojekt bestimmen soll. Die Sachjury besteht aus Stadtrat Thomas Marbet und drei Verwaltungsmitarbeitenden. In der Fachjury sitzen Vertreter von Architektur und Städtebau.

Weder in der Sachjury noch in der Fachjury noch im erweiterten Expertenteam sind Vertreter aus Finanz, Wirtschaft, Gewerbe oder der touristischen Standortförderung aufgeführt. Gerade für die Umnutzung der zentral gelegenen Liegenschaft Kirchgasse 8 wäre eine breiter gefasste Meinungsfindung sowie eine Ideensammlungen durch unabhängige externe Fachleute wichtig. Solche Expertinnen und Experten haben in der Regel auch die Erfahrung, um ein solches Projekt gleichermassen attraktiv und bezahlbar zu entwickeln. Doch das scheint keine Priorität zu haben in der Oltner Kunst des Wettbewerbs.

Deny Sonderegger